KI-Regeln mit Kompass: Wie Leitlinien und Kodex Orientierung schaffen
Geschrieben von Miriam Harringer, veröffentlicht am 28.08.2025Seit dem 2. August 2024 gilt in der EU die neue KI-Verordnung (KI-VO) – der weltweit erste umfassende Rechtsrahmen für den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Sie soll Innovation ermöglichen, aber gleichzeitig Risiken für Sicherheit, Grundrechte und demokratische Werte begrenzen.
Viele Vorschriften sind jedoch noch nicht konkretisiert. Bis verbindliche technische Standards greifen, bieten zwei Instrumente Orientierung: Leitlinien und ein Verhaltenskodex. Beide helfen, KI-Anwendungen bereits heute rechtskonform und verantwortungsvoll zu gestalten.
Leitlinien bringen Klarheit
Die Leitlinien richten sich an Unternehmen, Entwickler und Behörden. Sie erklären, wie die abstrakten Vorgaben der KI-VO konkret umzusetzen sind – vor allem bei sogenannten Hochrisiko-KI-Systemen. Dazu zählen Anwendungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Justiz oder Bildung.
Im Fokus stehen Fragen wie: Welche Datenqualität wird verlangt? Wie transparent muss eine KI gegenüber Nutzern sein? Und welche Rolle spielt der Mensch bei der Kontrolle automatisierter Entscheidungen?
Auch wenn die Leitlinien nicht rechtsverbindlich sind, haben sie Gewicht. Sie setzen ein Signal: Wer sie berücksichtigt, zeigt Aufsichtsbehörden, dass er Sorgfalt ernst nimmt – ein Vorteil bei Audits und im Wettbewerb um Vertrauen.
Kodex für General Purpose KI: Verantwortung zeigen
Für Anbieter von General Purpose AI – etwa große Sprachmodelle wie ChatGPT – spielt der Verhaltenskodex eine Schlüsselrolle. Weil für diese Systeme noch keine technischen Standards vorliegen, schafft der Kodex einen freiwilligen Rahmen, um zentrale Prinzipien der KI-VO jetzt schon umzusetzen.
Dazu gehören Anforderungen an Trainingsdaten, Transparenz, Risikomanagement und der Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material. Der Kodex ist zwar nicht verpflichtend, wird aber politisch unterstützt und könnte künftig sogar formal anerkannt werden.
Anbieter, die sich frühzeitig daran orientieren, zeigen Verantwortung – und bereiten sich strategisch auf künftige Vorgaben vor.
Freiwillig, aber entscheidend
Leitlinien und Kodex sind mehr als nur Übergangslösungen. Sie bieten Orientierung in einer noch unvollständigen Regulierungslandschaft und helfen, Rechtskonformität nicht erst dann zu erreichen, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben ist.
Es gibt außerdem eine Liste der Global Player, die zeigt, wer sich zum Verhaltenskodex bekennt – mit dabei sind beispielsweise IBM, Amazon, Microsoft, OpenAI und einige mehr – Meta hingegen bisher nicht.
In einer Zeit, in der sich Technologie schneller entwickelt als Gesetze, sind diese Instrumente der Kompass für verantwortungsvolle KI-Entwicklung und den Umgang damit.
Veröffentlicht am 28. August 2025
Miriam Harringer,
Medien- und Kulturmanagerin sowie langjährige Redakteurin.
Auf unserem Blog schreibt sie Artikel für die Themenbereiche Datenschutz, Informationssicherheit und Künstliche Intelligenz.
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