Photo: anatoliy_gleb - stock.adobe.com
Datenhandel außer Kontrolle: Sind Standortdaten die neue Währung?
Geschrieben von Kemal Webersohn, veröffentlicht am 15.01.2025Netzpolitik berichtet über einen bislang unbekannten Datensatz mit 380 Millionen Standortdaten aus 137 Ländern, der die Gefahren des globalen Datenhandels deutlich macht. Betroffen sind 40.000 Apps, darunter auch queere Dating-Apps. Besonders alarmierend ist die präzise Ortung von Nutzenden von Wetter Online, Focus Online und Kleinanzeigen.
Standortdaten als lukratives Handelsgut
Eine aktuelle Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR), Netzpolitik und anderer Publikationen aus der ganzen Welt verdeutlicht, wie Standortinformationen für Vermarkter, Datenhändler und andere Akteure zum begehrten Gut geworden sind. Denn Netzpolitik wurde ein Datensatz, datiert auf einen Tag im Juli 2024, angeboten, der 380 Millionen Standortdaten aus 137 Ländern beinhaltet; verknüpft mit rund 40.000 verschiedenen Apps, deren Nutzende kaum ahnen dürften, was mit ihren Daten geschieht.
Im Hintergrund und ohne Wissen der User werden Bewegungsprofile erstellt, die erschreckend präzise Rückschlüsse auf persönliche Gewohnheiten und Aufenthaltsorte zulassen. Solche Datensätze können nicht nur zu kommerziellen Zwecken genutzt, sondern in bestimmten Fällen auch von Sicherheitsbehörden fremder, teils unfreundlicher Staaten ausgewertet oder missbraucht werden. Auch lassen sich über Standortdaten etwa der Besuch bestimmter Gesundheitseinrichtungen und damit Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand machen. Dadurch können die betroffenen Personen z. B. bei der Vergabe von Krediten oder dem Abschluss von Versicherungen benachteiligt oder ausgeschlossen werden.
Der Präsident des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht, Michael Will, bezeichnet die Rechercheergebnisse als schweren Vertrauensbruch: „Niemand erwartet, dass Monate später nachvollzogen werden kann, wo man sich aufgehalten hat. Das widerspricht den Erwartungen der Nutzer.“ Will, zuständig für Apps mit Sitz in Bayern, kündigt intensive Prüfungen und hohe Bußgelder an.
Fazit: Standortdaten als neue Währung
Personenbezogene Daten, dazu gehören auch Standortdaten, gelten als neue Währung im digitalen Zeitalter, ihr Missbrauch kann weitreichende Folgen für Privatsphäre und Sicherheit haben. Überdenken Sie die Verwendung von Apps, denn deren Nutzung kann zu irreversiblen Nachteilen für Sie führen.
Sprechen Sie uns gerne an, bei Fragen zu Datenhandel außer Kontrolle: Sind Standortdaten die neue Währung?


Kemal Webersohn,
Geschäftsführer der WS Datenschutz GmbH und seit über zehn Jahren im Datenschutz und in der Informationssicherheit tätig.
Er schreibt außerdem auf unserem Blog zu Themen rund um Datenschutz, Informationssicherheit und die KI-Verordnung.
Weitere Artikel
- Die DSGVO und das nationale Recht
- KI-VO Zuständigkeit: DSK kritisiert Gesetzentwurf und warnt vor Doppelstrukturen
- Profiling gemäß Art. 22 DSGVO
- Kundendaten nicht ausreichend geschützt: Millionenbußgeld gegen 1&1
- Transparenzpflichten im AI Act: Was die KI-Entwicklung jetzt beachten muss
- Achtung, iPhone-User: DarkSword-Malware auf GitHub aufgetaucht
Verwandte Artikel
- US-Urteil: Millionenstrafe für Google und Meta wegen Social-Media-Sucht
- Achtung, iPhone-User: DarkSword-Malware auf GitHub aufgetaucht
- Achtung bei Signal: Verfassungsschutz warnt vor Spionage
- TikTok: EU‑Kommission zum „süchtig machenden Design“
- Raus aus der iCloud? Wie US-Gesetze Ihre Daten gefährden
- KRITIS-Dachgesetz: Schutzschild für die physische Sicherheit